Klare Forderung der SPD: „Ganztag statt Samstag“
Siegen.
Nach Ansicht der ehemaligen NRW-Schulministerin Ute
Schäfer (SPD) muss das Land NRW in den kommenden
Jahren auch „viel eigenes Geld in die Hand nehmen,
um nicht nur an Grund- und Hauptschulen, sondern
schrittweise an allen weiterführenden Schulen eine
funktionierende Ganztagsinfrastruktur aufzubauen“.
Dies machte die SPD-Politikerin jetzt in einer
bildungspolitischen Veranstaltung deutlich, zu der
sie der SPD-Stadtverband Siegen in die
Siegerlandhalle eingeladen hatte. Es sei zwar
positiv, dass auch der Bund einen finanziellen
Beitrag zur Bewältigung dieser wichtigen Aufgabe
leiste. „Primär verantwortlich sind und bleiben
jedoch die Länder“, betonte Ute Schäfer.
Die Ex-Ministerin wies
auf die von der CDU-geführten Landesregierung
beschlossene Schulzeitverkürzung (Abi nach 12
Jahren) hin, „die für die betroffenen Schülerinnen
und Schüler zu einer erheblichen
Unterrichtsverdichtung führen wird. Diese wiederum
hat zur Folge, dass verstärkt auch an den
Nachmittagen unterrichtet werden müsste. Dass meine
Nachfolgerin, Frau Sommer (CDU), stattdessen
Unterricht an den Samstagen ermöglichen will, kommt
einem Offenbarungseid beim Ausbau der
Ganztagsangebote gleich. Es ist bezeichnend, dass
stark gekürzte und unzureichende Investitionsmittel
heute bereits zur Folge haben, dass es bei
entsprechenden Anträgen der kommunalen Schulträger
zu erheblichen Abschlägen oder sogar dazu kommt,
dass diese gar nicht berücksichtigt werden können.“
Detlef Rujanski,
Vorsitzender der SPD-Fraktion im Rat der Stadt
Siegen, schloss sich der Kritik von Ute Schäfer an.
„Neoliberale Kräfte versuchen hier scheinbar, den
Schul- und letztlich auch den Wirtschaftsrhythmus
wieder auf eine 6-Tage-Woche umzustellen. Dies
lehnen wir Sozialdemokraten - insbesondere aus
familienpolitischen Gründen - ganz entschieden ab.
Das Wochenende muss für Kinder und Eltern
grundsätzlich schul- und arbeitsfrei bleiben. Unsere
Forderung ist daher klar: Wir plädieren für ‚Ganztag
statt Samstag’ an unseren Schulen“, brachte es
Rujanski auf den Punkt und fügte hinzu: „Auch der
Jugendsport, der hauptsächlich samstags stattfindet,
würde bei einer 6-Tage-Woche unter die Räder
geraten.“
Helga
Schwarz-Schumann, Landtagsabgeordnete und
SPD-Vorsitzende in Siegen, sprach noch einen
weiteren wichtigen Punkt an: „Das gemeinsame
Mittagessen an Ganztagsschulen muss natürlich allen
Kindern offen stehen. Wir müssen auf jeden Fall
sicherstellen, dass die Kinder aus finanziell
weniger gut situierten Familien nicht auf den
Butterbrotbeutel angewiesen bleiben, während ihre
Klassenkameraden eine warme Mahlzeit erhalten.“ Dies
sei auch ein wichtiger Beitrag zur Bekämpfung der
immer stärker um sich greifenden Kinderarmut.
Ute Schäfer, heute
stellvertretende Vorsitzende der
SPD-Landtagsfraktion, ergänzte, dass diese Forderung
auch Bestandteil des bildungspolitischen Leitantrags
der NRW-SPD zum bevorstehenden Landesparteitag sei.
In diesem spreche sich die NRW-SPD insbesondere für
längere gemeinsame Lernzeiten aller Schülerinnen und
Schüler bis zum mittleren Abschluss (10. Klasse)
aus. „Nach der 6. Klasse sind dann auch
differenzierte Unterrichtsangebote denkbar“,
erläutere die ehemalige Schulministerin.
Kernforderung der NRW-SPD sei, dass Bildung auf
allen Ebenen grundsätzlich gebührenfrei sein sollte.
„Wir lehnen also die von CDU und FDP eingeführten
Gebühren für ein Erststudium an unseren Hochschulen
entschieden ab. Und auch die Betreuung der noch
nicht schulpflichtigen Kinder muss weiter
professionalisiert und schrittweise gebührenfrei
gestellt werden.“ Heftige Kritik übte Schäfer am
geplanten Kinderbildunsgesetz (KiBiZ) der Regierung
Rüttgers, das „völlig kontraproduktiv ist“. Die
Politik von CDU und FDP habe vielen Eltern bereits
Gebührenerhöhungen für die Kindergärten beschert.
Abschließend
bezeichnete die SPD-Politikerin die Bildungsangebote
der Siegener Berufskollegs als „beispielhaft. Dies
hat sich inzwischen bis nach Düsseldorf
herumgesprochen“. Zwar behalte das duale
Ausbildungssystem für die SPD einen hohen
Stellenwert, aber es gebe weiterhin einen Mangel an
entsprechenden Ausbildungsplätzen. „Ich appelliere
daher an die Wirtschaft, auch die
berufsqualifizierenden vollzeitschulischen
Abschlüsse, die an den Berufskollegs erworben werden
können, verstärkt anzuerkennen und diesen
Absolventen eine Chance auf dem Arbeitsmarkt zu
geben“, schloss Ute Schäfer (MdL) ihre Ausführungen.
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